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Zur Geschichte der VAAM

Die Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie e.V. (VAAM) wurde 1985 in Würzburg gegründet. Doch ihre Wurzeln liegen in der Local Branch ("Lokaler Ast") der American Society for Microbiology (ASM) in der Bundesrepublik Deutschland. Der damalige Präsident der ASM, Dr. Robert Hungate (Davis, CA), regte 1973 die Gründung einer Local Branch der ASM in der Bundesrepublik Deutschland an und wies auf die Unterstützung der ASM durch Gastsprecher hin. Gemäß der ASM-Satzung stimmten mehr als 25 Mitglieder der ASM in Deutschland für diese Option. So fand 1975 in Bonn die erste offizielle Tagung statt, wobei auch der Vorstand gewählt wurde (siehe: Archiv der Tagungen) Bis 1956 hatte es lediglich an der Universität Göttingen den bereits 1902 gegründeten Lehrstuhl für Mikrobiologie an einer Naturwissenschaftlichen/Landwirtschaftlichen Fakultät gegeben. Parallel organisierte sich bereits 1906 die medizinische Mikrobiologie als "freie Vereinigung für Mikrobiologie". Auf dem Kongress in Würzburg 1922 wurde diese in "Deutsche Vereinigung für Mikrobiologie" umbenannt, um dann 1949 beim Kongress in Frankfurt ihren noch heute gültigen Namen als"Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie" zu erhalten. 1956 wurden dann in Frankfurt und Hamburg weitere Lehrstühle für Mikrobiologie in der naturwissenschaftlichen Fakultät gegründet, denen in den 60er und 70er Jahren zahlreiche Professuren folgten. Diese Generation von Mikrobiologen orientierte sich an amerikanische Forschungsgewohnheiten und betonte die Grundlagenforschung. Auch war sie frei von berufsständischen und gesellschaftlichen Ambitionen. Die Verbesserung der Kontakte zwischen jüngeren und älteren Kollegen und zu den Studierenden war ein wichtiges Ziel. Die folgenden Tagungen der Local Branch der ASM fanden nach der Strukturreform der DGHM zusammen mit denen der Sektion I der DGHM (Allgemeine und angewandte Mikrobiologie) statt. Die Posterpräsentationen bekamen auf den Tagungen ein immer stärkeres Gewicht. Die Tagung in München 1979 hatte mit der Vorstellung der Archaea als dritte Domäne des Lebens durch Prof. Dr. Carl Woese und einem Mixer bei Brezeln, Bier und Musik einen für die späteren Tagungen prägenden Eindruck hinterlassen. 1980 schlossen der GIT-Verlag und die Local Branch einen Vertrag, durch den die 1979 von Prof. Dr. Hans Jürgen Kutzner gegründete Zeitschrift "Forum Mikrobiologie" das Mitteilungsorgan der Local Branch wurde. Auch wurde den Studierenden für die Präsentation eines Poster oder Kurzvortrages auf der Tagung ein Reisekostenzuschuss gewährt: 1984 stiftete die damalige Firma Hoechst AG, heute Sanofi-Aventis zusammen mit der Firma New England Biolabs Inc. einen Promotionspreis, der eine herausragende Promotionsleistung anerkennen sollte. Weitere Firmen (BASF AG, Bayer Schering AG, Evonik) schlossen sich später diesem Fonds an, sodass heute meist drei Preise vergeben werden können. Die Vorträge der Preisträger zeigen den hohen Leistungsstand in den unterschiedlichsten Teilbereichen der Mikrobiologie. Die hervorragend organisierten Jahrestagungen, das hohe Engagement von Kollegen bei der Mitgliederwerbung und die für Studierende und Hochschullehrer gleichermaßen interessanten Übersichtsartikel und Beiträge im "Forum" führten zu stark steigenden Mitgliederzahlen. Das zunehmende Interesse an der deutschen Local Branch ließ den Anteil der stimmberechtigten "reinen" ASM-Mitglieder prozentual sinken, sodass 1985 die „Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie" gegründet wurde, um allen Mitgliedern auf der Mitgliederversammlung ein gleiches Stimmrecht zu gewähren. Bewusst wurden die Worte "deutsch", "Verein" oder "Gesellschaft" nicht in den neuen Namen aufgenommen, um auch die "Internationalität" dieser Vereinigung zu betonen. Diese ist heute fast selbstverständlich: seit langem werden die Kurzfassungen zu den Tagungen nur in englischer Sprache abgefasst, gleiches gilt für alle Plenarvorträge, fast alle Poster und viele Kurzvorträge. Die Abstracts der Tagungen wurden jeweils als Sonderhefte herausgegeben. 1986 wurde dann die Local Branch formal aufgelöst, nachdem 85 Prozent aller Mitglieder der VAAM beigetreten waren. 1989 fand die erste gemeinsame Tagung der VAAM mit einer europäischen Schwestergesellschaft, der "Nederlandse Vereniging voor Microbiologie (NVvM)" in Marburg statt. Zur Jahrtausendwende folgte der bislang von der Teilnehmerzahl her größte Kongress zusammen mit der "Österreichischen Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin" und der DGHM in München. Als der GIT-Verlag das "Forum Mikrobiologie" 1991 ohne Mitteilung in "BIOforum" umbenannte und auch inhaltlich veränderte, führte dies 1992 zum Wechsel zu "BioEngineering" des Resch-Verlags. Zusammen mit der GBCh (Gesellschaft für Biologische Chemie), heute umbenannt in GBM, fand die VAAM 1995 dann im Spektrum Akademischen Verlag einen an wissenschaftlicher Kommunikation interessierten Partner und gründete die Zeitschrift BIOspektrum. Dem Erfolg dieser Zeitschrift schlossen sich 1997 die Gesellschaft für Genetik (GfG) und die Gesellschaft für Entwicklungsbiologie (GfE) an, 2002 folgte die Deutsche Gesellschaft für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie (DGPT). Nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten wurden 1991 die Mitglieder der GATM (Gesellschaft für Allgemeine und Technische Mikrobiologie) aus der ehemaligen DDR befragt, ob sie sich der VAAM anschließen möchten. Schon zu "Vorwendezeiten" schickte das VAAM-Sekretariat einem verhältnismäßig kleinen Personenkreis das "Forum Mikrobiologie" zu. 1989 stellte dafür das Innerdeutsche Ministerium sogar einen Betrag zur Verfügung. Fast vorausahnend hatte Frau Prof. Dr. Bärbel Friedrich zur Tagung der VAAM 1990 an die FU nach Berlin eingeladen. Erstmalig gab es dort eine gemeinsame Sitzung beider Vorstände, wobei die Professoren Michael Hecker und Wolfgang Fritsche die GATM vertraten. Auch die Verleihung der ersten Ehrenmitgliedschaften der VAAM an die bereits pensionierte "Mutter der Mikrobiologen bei der DFG", Dr. Anita Hoffmann, und einem "Altvater" der Mikrobiologie beider Teile Deutschlands, Prof. Dr. Hans G. Schlegel, passte plötzlich genau zu dieser denkwürdigen Tagung. Die Universität Leipzig und das Umweltforschungszentrum (UFZ) waren 1993 Ausrichter der ersten Tagung in einem ostdeutschen Bundesland. Die Jahrestagungen der VAAM sind mittlerweile mit einer durchschnittlichen Teilnehmerzahl von etwa 1.200 Personen sehr gut besucht. Das VAAM-Signet ging aus einem Ideenwettbewerb hervor. Es besagt symbolhaft, dass die Allgemeine, grundlagenbezogene und die Anwendungsorientierte Mikrobiologie wechselseitig aufeinander angewiesen sind und folglich den gleichen Platz einnehmen. Die frühzeitige Bildung von selbständig agierenden Fachgruppen innerhalb der VAAM mit eigenen Symposien oder Spätsommer-Schulen, die Einbindung in die europäische FEMS und die weltweite IUMS sowie die Einrichtung einer gemeinsamen Geschäftsstelle mit der GBM zeigen, dass die Mitglieder der VAAM sich auf Veränderungen in der Gesellschaft einstellen wollen. Mit derzeit rund 3200 Mitgliedern ist die VAAM nach der GBM die zweitgrößte biologisch ausgerichtete Fachgesellschaft. Jan R. Andreesen