VAAM-Forschungspreis

VAAM-Forschungspreis 2022 für Cornelia Welte

Foto: privat

Für ihre Erforschung des mikrobiellen Methanzyklus erhält die Mikrobiologin Dr. Cornelia Welte von der Radboud-Universität in Nijmegen, Niederlande, den 15. VAAM-Forschungspreis. Sie untersucht die Umsetzung von Methan vom Molekül bis zum Ökosystem und liefert dabei wertvolle Erkenntnisse für Umweltprozesse und biotechnologische Anwendungen. Den mit 10.000 Euro dotierten Preis verleiht die VAAM für herausragende aktuelle Arbeiten auf dem Gebiet der Mikrobiologie im Rahmen der online Jahrestagung am 21. Februar 2022.

 

Mikroben können das Treibhausgas Methan sowohl produzieren als auch zersetzen und tragen damit wesentlich zu Klimaeffekten bei. Cornelia Weltes Arbeitsgruppe erforscht diese mikrobiellen Prozesse und verbindet dabei Mikrobiologie, Biochemie, Physiologie und Biotechnologie.
So entdeckte sie, dass ein bislang unbekannter Organismus, Methermicoccus shengliensis, Bestandteile aus Kohleflözen und Erdöllagerstätten in Methan umwandelt. Die Gruppe optimierte die Kultivierungsbedingungen für diese anspruchsvolle Mikrobe und erstellte mit Hilfe moderner Analysemethoden eine Karte ihrer Stoffwechselwege. Diese Erkenntnisse sowie gereinigte Enzyme für die Methanbildung könnten die Grundlage sein für industrielle Anwendungen, beispielsweise die mikrobielle Umsetzung von Kohle- oder Ölresten zu Biogas.
Weltes Gruppe studiert auch Mikroorganismen, die Methan
abbauen. Einige dieser noch kaum erforschten Archaeen können dazu beitragen, die weltweiten Methanemissionen zu verringern. Die Kenntnis ihrer Stoffwechselvorgänge und der dazu notwendigen Enzyme ist für ihren gezielten Einsatz eine wichtige Grundlage. Weltes Gruppe ist es gelungen, diese Mikroorganismen zur Produktion von Elektrizität aus Methan einzusetzen. „Anaerobe methanotrophe Archaeen könnten so in Zukunft beispielsweise Methan aus Abwasser entfernen“, erklärt Welte.
In ihrer niederländischen Wahlheimat erzielte Welte kürzlich Aufmerksamkeit mit einer Studie zur Methanbildung in Amsterdamer Grachten: „Für ein flaches Gewässer ist die
Methanemission dort erstaunlich niedrig - dank einer hohen Anzahl an methanabbauenden Mikroben an den Kanalwänden“. Dabei entdeckte die Gruppe auch ein bislang unbekanntes Methan-abbauende Bakterium, Methyloglobulus, das möglicherweise wichtige Mikronährstoffe von den Steinen der Grachtenwände bezieht.
Mit Verunreinigungen im Wasser befasst sich eine weitere aktuelle Studie, die untersucht, ob und wie Mikroben dazu beitragen können, gefährliche Stoffe wie Pharmazeutika aus Abwässern in kommunalen Kläranlagen abzubauen. Zu den ökologischen Arbeitsfeldern der Gruppe zählen zudem Symbiosen von Mikroben und Insekten: So konnte sie zeigen, dass Mikroorganismen im Darm der Kohlwurzelfliege, eines landwirtschaftlichen Schädlings, eine wichtige Rolle spielen. Dies könnte ein Ansatz für biologische Schädlingsbekämpfung sein.
„Cornelia Welte deckt die gesamte Spannbreite der Mikrobiologie von der Physiologie über die ökologische Funktion bis hin zur Anwendung ab“, lobt das VAAM-Preiskomitee. Die
herausragende Nachwuchsforscherin hat bereits über 50 häufig hochgelobte Arbeiten veröffentlicht und mehrere Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben. Die VAAM überzeugte zudem ihre Vernetzung in der Forschergemeinschaft, ihr Engagement in der
mikrobiologischen Ausbildung und ihre effiziente Forschung während der Familienphase und Coronapandemie. Cornelia Welte hatte bereits 2012 einen VAAM-Promotionspreis für ihre in Rekordzeit abgeschlossene Doktorarbeit erhalten.
Welte sieht eine Verantwortung für Herausforderungen unserer Gesellschaft wie Klimawandel und Umweltverschmutzung: „Ich möchte mit meiner Forschung dazu beitragen, diese
Probleme zu lösen.“

Dr. Cornelia Welte (37) ist Associate Professor der Abteilung Mikrobiologie an der Radboud-Universität in Nijmegen, Niederlande. Sie studierte Biologie an der
Universität Bonn. Für ihre Promotion in der Arbeitsgruppe von Uwe Deppenmeier über Methanogenese-Prozesse erhielt sie den VAAM-Promotionspreis 2012.
Nach einer Postdoc-Zeit in Bonn und Nijmegen wurde sie 2015 zum Assistant Professor und 2021 zum Associate Professor ernannt.

Informationen:
https://www.ru.nl/microbiology/department/people/cornelia-welte-dr

 
Ausschreibung VAAM-Forschungspreis

 

Der mit 10.000 Euro dotierte VAAM-Forschungspreis wird alljährlich auf der VAAM-Jahrestagung an eine/n Nachwuchswissenschaftler/-in für herausragende aktuelle Arbeiten auf dem Gebiet der Mikrobiologie verliehen.

Kandidaten für die Auszeichnung können zum Jahresende dem Präsidenten der VAAM vorgeschlagen werden.

Beurteilt werden in der Regel die letzten Jahre vor der Preisvergabe. Dem Auswahlkomittee gehören zur Zeit an:
Prof. Dr. Franz Narberhaus (Bochum), Prof. Dr. Stefan Pelzer (Halle/ Westf.), Prof. Dr. Ruth Schmitz-Streit (Kiel), Dr. Gerhard Schmid (München), Prof Dr. Julia Vorholt (Zürich).

Bitte fügen Sie folgende Unterlagen bei: Begründung, Lebenslauf, Publikationsliste und Citation Index.