Sind „meine“ Bakterien auf dem Smartphone?

Infoportal-Mikrobiologie Sind „meine“ Bakterien auf dem Smartphone?

Wir hängen an unseren Handys und diese haben ständigen Hautkontakt mit uns und damit auch mit unseren engsten Mitbewohnern. Daher spiegeln Smartphones das Mikrobiom ihrer Besitzer recht zuverlässig wider. Zu 22 Prozent stimmen die Bakterien auf dem Display sogar mit denen auf Daumen oder Zeigefinger überein – obwohl die Mikrobenpopulation zwischen zwei Fingern einer Person lediglich zu 32 Prozent übereinstimmt. Für die verbreitetsten Bakterien der Hand wie Streptokokken und Staphylokokken decken sich die Muster sogar zu 82 Prozent. Somit lassen sich die Besitzer und ihre Smartphones durch die Übereinstimmung dieses mikrobiologischen Fingerabdrucks einander zuordnen – bei Frauen sogar noch besser als bei Männern. 

Jedes Smartphone erzählt die Geschichte seines Benutzers, wo dieser sich aufgehalten oder was er berührt hat. Ein flüchtiger Griff an unser Riechorgan reicht aus, um das typische Nasen-Bakterium Staphylococcus aureus beim Tippen auf das Smartphone zu übertragen. Harmlose Bodenbakterien wie Bacillus mycoides weisen darauf hin, dass der Handynutzer wahrscheinlich vorher im Wald unterwegs war.

WhatsApp vom Klo? Unter den 18- bis 29-Jährigen greifen dort 78 Prozent zum Handy oder Smartphone. Während das Händewaschen für die meisten Menschen mehr oder weniger Routine ist, wandert das Handy ungesäubert zurück in die Tasche. Dabei tragen Handys zehnmal mehr Bakterien als die meisten Toilettensitze. 

Für unseren normalen Umgang mit Handys kann aber Entwarnung gegeben werden. Smartphone-Touchscreens sind nur mäßig mit Mikroorganismen belastet. Die meisten Nutzer wischen wohl ihr Display regelmäßig ab – allein schon, um störende Fingerabdrücke zu beseitigen. Neben dem gewissenhaften Händewaschen hilft eine regelmäßige Reinigung der Handy-Oberfläche mit alkoholhaltigen Brillen- oder Mikrofasertüchern. 

 

© Susanne Thiele, Textauszug verändert nach „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke. Wie Mikroben unseren Alltag bestimmen – Neues und Erstaunliches über unsere vielseitigen Mitbewohner“, Heyne 2019; susanne_thiele[at]gmx.de; Abbildung: Isabel Klett